01.04.2026
Kirchenprojekt in Münster zeigt Stärken des Studiengangs „Bauen im Bestand“
Ein zentrales Merkmal des Bachelorstudiengangs „Bauen im Bestand“, den das HBZ Münster gemeinsam mit der FH Münster anbietet, ist der hohe Praxisbezug. Neben Exkursionen und Studienreisen arbeiten die Studierenden regelmäßig an realen Gebäuden. Im Wintersemester 2025/2026 beschäftigten sich die Jahrgänge des 3. und 5. Fachsemesters mit der Frage, wie sich ein Sakralbau aus dem 16. Jahrhundert zeitgemäß umnutzen lässt.
Ergebnispräsentation im Chorraum der Petrikirche, Münster
Die Petrikirche im Herzen Münsters diente dabei als gemeinsames Studienobjekt. Sie gilt als Ursprung der Universität und wird heute von der Katholischen Studierenden- und Hochschulgemeinde genutzt. Die Aufgabe der Studierenden bestand darin, mögliche Szenarien für eine Profanisierung und anschließende Umnutzung zu entwickeln. Ein Prozess, der architektonisches Fachwissen ebenso verlangt wie Sensibilität für religiöse und gesellschaftliche Belange. Neben bauseitiger Machbarkeit und wirtschaftlichen Überlegungen mussten daher auch emotionale und kulturelle Aspekte berücksichtigt werden.
Fachsemester 3 – Einstieg in die Umnutzungsplanung
Die Studierenden des 3. Fachsemesters entwickelten ein umfassendes Sanierungs- und Umnutzungskonzept, das sie bis zur vollständigen Genehmigungsplanung ausarbeiteten. Grundlage für ihren Einstieg in die praktische Umnutzungsplanung war eine sorgfältige Bestandsaufnahme der baulichen und statischen Ausgangssituation. Anschließend wurde die Genehmigungsplanung zur Ausführungsplanung weiterentwickelt.
Fachsemester 5 – Von der Analyse zur ausführungsreifen Planung
Die Studierenden durchliefen einen vollständigen Planungsprozess von der Analyse bis zur detaillierten Ausführungsplanung. Zu Beginn recherchierten sie den baugeschichtlichen Kontext, klärten bauordnungs- und baurechtliche Rahmenbedingungen, erfassten das statische System und digitalisierten die Bestandspläne. Auf dieser Grundlage entwickelte jede Gruppe ein eigenständiges Umnutzungskonzept, das zunächst in eine Bauantragsplanung und anschließend in eine ausführungsreife Planung überführt wurde. Dabei berücksichtigten die Studierenden statische, bauphysikalische und denkmalpflegerische Anforderungen.
Präsentation der Ergebnisse in beeindruckender Kulisse
Ende März stellten beide Semester ihre Ergebnisse in der Petrikirche vor. Der Chorraum der dreischiffigen Basilika bildete den eindrucksvollen Rahmen für die Präsentationen vor Lehrenden, Vertretern des Studiengangbeirates und Fachgästen. Die Studierenden zeigten, wie sie das statische System analysiert und historische Aspekte einbezogen hatten. Die entwickelten Ideen reichten von einem Standesamt über einen Lernort mit Café bis hin zu einem Hotel mit Restaurant. Auf besonders Interesse stieß die Idee der Nutzung des Kirchenraumes als Kletterhalle. Das ergänzte Klettergebirge in der Mitte des Kirchenraumes erwies sich als behutsame Ergänzung mit wenigen sensiblen Eingriffen in die erhaltenswerte Bausubstanz.
Gelungenes Projekt mit gestalterischer Stärke und Verantwortungsbewusstsein.
HBZ-Dozentin Anna Pier-Eiling zeigte sich beeindruckt: „Ich bin begeistert, wie souverän unsere Studierenden die komplexen Aufgaben bewältigt haben und freue mich über die kreativen sowie praxisnahen Ideen.“ In ihren Projektarbeiten zeigten die Studierenden eindrucksvoll, dass sie die Verbindung von Theorie und Praxis im Bestandsbau beherrschen. Dabei berücksichtigen sie nicht nur konstruktive und funktionale Anforderungen. Sie gehen auch sensibel auf individuelle Bedürfnisse ein, von hohen kommunikativen Anforderungen bis hin zu religiösen Empfindungen „Diese Aspekte lassen sie verantwortungsvoll und gestalterisch überzeugend in ihre Konzepte zur Umnutzung von Sakralbauten einfließen.“, so Pier-Eiling weiter.
Weitere Informationen zum Studiengang Bauen im Bestand