Die Einrichtung des „Fachwerk-Kompentenzzentrums am Demonstartionszentrum Bau & Energie“ erfolgt derzeit auf der ehemals landwirtschaftlich genutzten Hofstelle „Haus Kump“ in Münster, einer historischen Anlage deren zentrales und bauhistorisch bedeutendstes Element ein Speicher aus dem Jahr 1549 ist, der unter Denkmalschutz steht.
Virtueller 360-Grad-Rundgang
Ziel des derzeitigen Umbaus ist es, die Hofstelle in ihrer städtebaulichen Form mit Originalsubstanz (Remise, Stallgebäude) zu erhalten und um energetisch optimierte Neubauten (Scheune, Haupthaus) zu ergänzen. So entstehen im Rahmen des Projektes eine neue Werkstatt, eine Ausstellung sowie eine Cafeteria und ein Verwaltungsbereich. Wenn Sie sich einen Eindruck von dem Zustand der Gebäude vor dem Umbau machen möchten, nutzen Sie unseren virtuellen Rundgang in der rechten Spalte.
Wichtiger Bestandteil des Umbaus ist die baudenkmalpflegerisch vorbildliche Sanierung und Umnutzung der Fachwerkgebäude auf Haus Kump. Dabei sollen Fachwerksanierungstechniken nach neuesten bauphysikalischen Erkenntnissen erarbeitet und erprobt und nach Fertigstellung durch messtechnische Überwachung verifiziert werden. Die Gebäude dienen nach Fertigstellung als Anschauungs- und Demonstrationsobjekte für Bildungsmaßnahmen im Handwerk.
Wissentransfer zur denkmalgerechten Sanierung von Fachwerkgebäuden
Die im Demonstrationszentrum Bau und Energie behandelten Themen werden durch das im Fachwerk-Kompetenzzentrum generierte und didaktisch aufbereitete Wissen ergänzt. Es entsteht ein Forum des Wissenstransfers, das einen wertvollen Beitrag zur fach- und denkmalgerechten Sanierung und Instandhaltung von Fachwerkgebäuden leistet.
Zum Hintergrund: Alte Fachwerkhäuser sind ein wichtiger und erhaltenswerter Bestandteil der europäischen Kultur. Mit über 2 Mio. Exemplaren allein in Deutschland stellen sie einen beachtlichen Anteil am Gebäudebestand dar. Mit der Entwicklung neuer Baumaterialien und Konstruktionsmöglichkeiten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gerieten Fachwerkgebäude „aus der Mode“, was zu bedenklichen Wissensverlusten in Bezug auf Errichtung und Unterhaltung führte. In der Folge kam es zu Fehlsanierungen mit erheblichen Verlusten in der Substanz, für die Volkswirtschaft, aber auch für die beteiligten Planer und Handwerksunternehmen.
Dieser unbefriedigende Zustand war in den vergangenen drei Jahrzehnten Gegenstand zahlreicher Forschungsprojekte. Der erforderliche Wissenstransfer des gewonnenen Wissens von der Forschungsebene auf die Ebene der Bauplanenden und -ausführenden hat jedoch nicht in angemessenem Umfange stattgefunden. So liegt wertvolles Grundlagen- und Spezialwissen rund um Ständerwerk und Ausfachung und der sich daraus ergebenden besonderen bauphysikalischen Zusammenhänge brach.
Anwendungsorientierte Forschung zu didaktischen Zwecken
Das Fachwerk-Kompetenzzentrum ist ein ideales Werkzeug, um das derzeitig zum Thema vorhandene Fachwissen zielgruppengerecht aufzubereiten und den vorhandenen enormen Bildungs- bzw. Fortbildungsbedarf zu befriedigen. Gewerkespezifische Lehrgangsmodule werden in die etablierten Fort- und Weiterbildungsangebote des HBZ integriert. Darüber hinaus wird ein neuer, mehrwöchiger Lehrgang zum Thema Fachwerk kreiert. Mit diesem Bildungsangebot wird ein wertvoller Beitrag zur nachhaltigen Sanierung und zum dauerhaften Erhalt des kulturhistorisch bedeutsamen Fachwerkbestandes in Deutschland und Europa geleistet.
Da derzeitig noch Forschungsbedarf – beispielsweise bei der Reduzierung des Energieverbrauchs oder der Fuge zwischen Ausfachung und Fachwerkständer – besteht, soll neben dem Bildungsschwerpunkt im „Fachwerk-Kompetenzzentrum“ auch anwendungsorientierte Forschung betrieben werden. Die erarbeiteten Lösungen sollen direkt in Modellvorhaben (z. B. "Haus Kump") umgesetzt und dabei auf Praktikabilität (Dokumentation der Baumaßnahme) und bauphysikalische Funktionalität (Messtechnik) überprüft werden.
Die Erkenntnisse aus Forschung und Recherche zum Thema Fachwerk werden in Form von Modellen, Lehrmaterial, Schriften, Arbeitsblättern und Büchern aufbereitet sowie über datenbankbasierte Informationen über das Internet angeboten. Zusammen mit bereits existierendem Material zum Thema Fachwerk entsteht so eine umfangreiche Mediathek, die den Lehrgangsteilnehmern aus den fachwerkspezifischen Seminaren genauso zur Verfügung stehen wird wie Teilnehmern aus den am HBZ bereits etablierten Fort- und Weiterbildungslehrgängen im Baubereich sowie externen Fachleuten.
Standort in unmittelbarer Nähe des HBZ
Standort des Zentrums wird die Hofanlage "Haus Kump" in unmittelbarer Nähe des Handwerkskammer Bildungszentrums sein. Einerseits ist so die hervorragende Infrastruktur des Bildungszentrums nutzbar. Andererseits sind auf "Haus Kump" Fachwerkgebäude aus den unterschiedlichsten Epochen auf engstem Raum versammelt, die umgenutzt und entsprechend saniert direkt als Demonstrationsobjekte für Bildung und bauphysikalische Messungen dienen werden. Ein historisch wichtiges Element dieser Hofanlage ist der denkmalgeschützte Speicher aus dem Jahr 1549.