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Bauen im Bestand bleibt ewig

Studierende und Dozent beim Aufmaß vor Haus Kump
Foto: HBZ Münster

Um ihre berufliche Zukunft machen sich 17 Studenten des Studiengangs „Bauen im Bestand“ keine Sorgen. Sie belegen im zweiten Semester das Studium „Bachelor of Engineering“, das erstmals vom HBZ Münster in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Münster angeboten wird. „Bauen im Bestand bleibt ewig“, ist sich Christian Ventker sicher und fügt selbstbewusst hinzu: „Man kann arbeiten bis ans Lebensende und auch gutes Geld verdienen.“

Für Christian Ventker ist der Lehrgang zweite berufliche Chance mit guten Zukunftsperspektiven. Nachdem er seinen erlernten Beruf bei der Post aus gesundheitlichen Gründen quittieren musste, sieht er im Sanieren von Häusern einen viel versprechenden Neuanfang und hat sich so mit 46 Jahren entschlossen, noch mal die Schulbank zu drücken - und seine Entscheidung noch keinen Tag bereut. Er will sich einen akademischen Unterbau schaffen für seine selbständige Tätigkeit als Handelsvertreter von Injektionsmaschinen für Bausanierungen und für seine Arbeit im Bautenschutz. Einsetzen will er sein künftiges Wissen auch für seine vor fünf Jahren begonnene Tätigkeit als Referent beim Deutschen Holz- und Bautenschutzverband.

Intensive Betreuung in kleiner Gruppe

„Für mich war es die letzte Chance, jetzt noch mal zu studieren,“ erklärt Christian Ventker und fügt hinzu: „Die kleine Gruppe und die exklusive Betreuung sind entscheidend dafür, dass ich mich so wohl fühle.“ Niemals, so meint er, hätte er sich mit 150 Studenten in einen Hörsaal gesetzt. Ein großer Vorteil der kleinen Gruppe sei, dass jeder „mitgenommen“ werde. Voraussetzung sei natürlich, dass man auch wirklich was leisten will. Schließlich bezahle man ja auch 2.690 Euro pro Semester.

Seinen eigenen Schwerpunkt in der 6 Semester dauernden Ausbildung sieht der 46jährige in der Bauphysik. Dabei gehe es schließlich um die Grundlagen des Bauens. Baukonstruktion mache ihm Freude, weil ihm das Fach liegt und er der Auffassung ist, dass beim Bauen manches am Detail scheitert.

Die beiden ersten Semester seinen, so Ventker, naturgemäß von Theorie geprägt gewesen. Vor 30 Jahren habe er zuletzt Mathematik gepaukt; jetzt müsse er wieder mit Buchstaben rechnen und die Grundlagen der Statik lernen. Das sei aber gut so, denn dann könne er auch die Baukonstruktion besser verstehen.

Auch Anne Overs aus Handorf findet den geradezu intimen Rahmen und die Tatsache, dass auf den Einzelnen eingegangen wird, ideal am Studiengang „Bauen im Bestand“. Sie mag Baugeschichte und hatte schon im Gymnasium den Leistungskurs „Kunst“ belegt. Das hilft ihr heute beim Freihandzeichnen. Obwohl sie sich beim Fach „Statik“ Mühe geben muss und ihr auch Mathematik nicht in den Schoß fällt, meint sie: „So, wie das bei uns vermittelt wird, ist auch das zu schaffen.“

Offenes Verhältnis zu Dozenten

Richtig begeistert ist Anne Overs, wenn es zur Bauaufmessung zum nahe gelegenen „Haus Kump“ geht. Bestandsaufnahme mit Vermessungsgeräten ist ihr Ding. Praktisch eben. Hilfreich empfindet sie das offene Verhältnis zu den Dozenten: „Man kann auch immer zur Studienleitung gehen und Verbesserungsvorschläge machen. Dies sei sogar erwünscht. Schließlich wolle man den Studiengang für kommende Semester noch verbessern.

Mit 21 Jahren zählt Anne Overs zu den „Kurs-Küken“. Eigentlich wollte sie nach einem fünfmonatigen England-Aufenthalt Psychologie oder Industrie-Design studieren. Ihre Mutter erfuhr vom Studiengang „Bauen im Bestand“ und war – wie ihre Tochter – schon beim ersten Gespräch begeistert. Und da es im Studium immer wieder etwas Neues gibt, wie Anne Overs versichert, ist diese Begeisterung geblieben, so, wie die Freude am Singen im „Jungen Chor“ Handorf.

Ihr Ziel war es, erzählt die ausgebildete Ballett-Tänzerin, dem Abitur eine akademische Ausbildung folgen zu lassen. Sicherlich wäre es gut gewesen, meint sie, dem Studiengang eine praktische Ausbildung vorzuschalten. Aber auch so glaubt sie, erfolgreich abschließen zu können, um demnächst im Management einer Baufirma tätig sein.

Durch ihr Studium nimmt Anne Overs schon jetzt ihre Umgebung mit anderen Augen wahr. Ich sehe Häuser, an denen der Putz von den Wänden platzt und denke sofort: „Hey Leute, ihr müsst unbedingt was tun“. Sie selbst wohne in einem 40 Jahre alten Reihenhaus, an dem seit 20 Jahren „nichts gemacht“ worden ist. „Ich freue mich darauf, in solchen Situationen künftig helfen zu können.“

Intensive Projektarbeit

Christian Ventker und Anne Overs freuen sich schon auf das nächste Semester. Dann ist intensive Projektarbeit angesagt. In Gruppenarbeit wird dann ein sanierungsbedürftiges Gebäude voll durchgeplant. Von der Bauzustandsanalyse über die Umnutzungsplanung bis hin zur bauphysikalischen Berechnung von Feuchtigkeit, Wärme und Schall. Statik und Haustechnik mit eingeschlossen. Das Spannende daran: Jede Gruppe darf die künftige Nutzung selbst bestimmen: Ob Altersheim, Bürogebäude, Restaurant oder Cafe mit Eisdiele. An technischer Ausstattung soll es nicht mangeln. Wärmebildkamera, Feuchtigkeitsmesser und Geräte zur Baustoff-Analyse stehen schon bereit.

Neben dem straffen Studienprogramm gab es für die 17 Studenten auch schon mehrere Exkursionen. Baugeschichte gibt es am Studienort Münster reichlich zu besichtigen. Historische Bausubstanz wurde bei einem Besuch in Köln vermittelt. Schließlich ist der dortige Dom „ewiges Bauen im Bestand.“ Begeistert waren die Studenten von der Toscana. Sakralbauten wurden in Florenz und Sienna besichtigt und die Kuppel des Doms von Florenz als Meisterleistung der Statik erfahren. Baustoffkunde live gab es in den Marmor-Steinbrüchen von „Carrara“. Langweilig, versichern Christian Ventker und Anne Overs, war es im Studium noch nie.

Elmar Bamfaste

Venedig-Exkursion fasziniert Studenten

Gruppenbild der Studenten
Foto: HBZ Münster

Auch in diesem Jahr ging es für Studierende des Bachelor-Studiengangs „Bauen im Bestand“ an der Münsteraner Akademie Bauhandwerk nach Italien. Die Dozenten im Fach Baugeschichte und Denkmalpflege hatten die Lagunenstadt Venedig als Exkursionsziel ausgewählt. Über tausend Jahre Baugeschichte ließen sich hier auf engem Raum studieren und bewundern. Daneben drängte sich in der Lagunenstand geradezu die Frage auf, ob und wie die Bausubstanz gegen weiteren Zerfall und den steigenden Wasserstand geschützt werden kann.

Vorträge zur Geschichte historischer Gebäude…

Bestens vorbereitet trafen die Studenten des 2. Semesters in Venedig ein: Exkursionsleiter Mattias Zucchetti hatte im Vorfeld Themen verteilt, zu denen sie eigenständig recherchieren mussten. Vor Ort konnten sie dann ihren Kommilitonen und den begleitenden Dozenten einen Kurzvortrag zur Baugeschichte und Bedeutung von Palästen, Kirchen oder anderen meist historischen, aber auch modernen Bauten halten. „Einige haben sich da richtig reingehängt!“, lobte Zucchetti die Vorarbeit der Studenten, denn zu einigen Themen gab es nur Quellen in italienischer Sprache, die erst mit Hilfe von Bekannten erschlossen werden konnten.

Neben der Präsentation von Venedig-Klassikern wie dem Dogenpalast, den Palästen am Canale Grande, der Rialtobrücke oder dem Teatro La Fenice stellten einige Referate auch einen unmittelbaren Bezug zu Fragen des Bauens im Bestand her. So erläuterte Maik Putzke seinen Kommilitonen, dass der fast 100 m hohe Campanile auf dem Markusplatz, das Wahrzeichen der Stadt, 1902 im Zuge der Arbeiten zum Einbau eines Fahrstuhls komplett zusammenbrach, weil für die Statik wichtige Metallanker einfach beseitigt wurden. Philipp Rose hatte zur „Molino Stucky“ recherchiert, dem mächtigen Backsteinbau auf der der Altstadt gegenüber liegenden Insel Giudecca. Der um 1895 als Getreide-Mühle im Stile der norddeutschen Backsteingotik errichtete Industriekomplex wird nach jahrzehntelangem Leerstand und drohendem Zerfall seit 2007 als Fünf-Sterne-Hotel genutzt.

… mit aktuellen Bezügen zum Bauen im Bestand

Trotz des anstrengenden Exkursionsprogramms bei durchgehend schönem Sommerwetter demonstrierten die Studenten ihre Ausdauer, als ein Referat erst nach dem Abendessen gehalten werden konnte. So lauschten alle trotz bereits hereingebrochener Dunkelheit dem Vortrag von Thomas Krandick über ein besonderes Forschungsprojekt: Das ‚Haus mit den sieben Kaminen’, ein Mehrfamilienhaus aus dem späten 18. Jahrhundert, war 1995/96 horizontal aufgetrennt und mit Hilfe computergesteuerter hydraulischer Stempel erfolgreich komplett um 40 cm angehoben worden. „Experiment geglückt, für ganz Venedig aber wohl zu teuer“, meinte der Student zum Abschluss dieser sicherlich einmaligen Lehrveranstaltung.

Nach drei anstrengenden und eindrucksvollen Programmtagen blickten Dozenten wie Studenten auf eine erfolgreiche Venedig-Exkursion zurück, bei der neben den fachlichen Aspekten auch das angenehme Miteinander und das Zusammenwachsen der Gruppe gelobt wurde. Die letzten Stunden bis zur Rückreise nutzten die Studenten noch, um mit selbst gesteuerten Motorbooten die Lagunenstadt auf eigene Faust zu erkunden, oder sie genossen das Flair der einmaligen Stadt in einem ruhigen Straßencafé.

Bildergalerie Studienfahrt Venedig 2011

Gruppenbild der Studenten Akademie Bau Vendigexkursion Akademie Bau Vendigexkursion

Studienfahrt Toskana: Wiege der Renaissance

Akademie Bauhandwerk: Studienfahrt in die Toskana 2010
Foto: HBZ Münster

Baugeschichte und Baustilkunde standen im Focus einer Exkursion von 16 Studenten, die ihr Studium „Bachelor of Engineering“ am Berufsbildungszentrum der Hand-werkskammer Münster nun im zweiten Semester belegen. Die Reise des Studiengangs „Bauen im Bestand“ in die Toskana wurde begleitet von Prof. Gerd Schaper von der Fachhochschule Münster, die erstmals diesen Studiengang in Kooperation mit dem HBZ anbietet. Bis ins Detail organisiert hatten die siebentägige Fahrt die Dozenten Hellmut Himpe und Klaus Grahl. Einhelliges Fazit aller Teilnehmer: Die Toskana hat wirklich alles zu bieten, was das Herz begeht: Kunst, Geschichte, zauberhafte Landschaften und erstklassige Produkte.

Baustilkunde an bedeutenden historischen Objekten

Erste Station wurde in Lucca gemacht. Die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz zählte im 13. und 14. Jahrhundert zu den einflussreichsten europäischen Städten. Die großen Plätze, die romanischen Kirchen und die mittelalterlichen Türme zeugen noch heute von der einstigen Bedeutung der Stadt. Beeindruckt waren die Besucher aus Münster von der von vier Toren durchbrochenen Befestigungsanlage, die lange zu einer der bemerkenswertesten Italiens zählte.

Ein absoluter Höhepunkt der Reise wurde am zweiten Tag mit dem Besuch von Florenz erreicht. Neben der florentinischen Architektur, die besonders durch zahllose Bauten aus der Renaissance und der Zeit der Herrschaft der Medici geprägt ist, beeindruckte die Studenten und Reisebegleiter vor allen Dingen der Dom von Florenz mit seiner gewaltigen Kuppel. An diesem bedeutenden Bauwerk konnten sich die Studenten im Freihandzeichnen üben. Nicht versäumt wurde auch ein abendlicher Bummel durch die Altstadt von Florenz, die zum UNSECO-Weltkulturerbe gehört. Alle Teilnehmer waren sich einig: Florenz ist einfach ein Traumziel.

Nicht minder beeindruckt war die Gruppe von Siena. Die Stadt, die für ihr Pferderennen bekannt ist, gilt als eine der schönsten Städte der Toskana und Italiens. Schon von jeher befindet sie sich in Rivalität mit Florenz, in politischer, wirtschaftlicher und künstlerischer Hinsicht. Während Florenz als Paradebeispiel einer Renaissance-Stadt vor allem durch die schiere Masse und Größe seiner Bauwerke und Kunstwerke beeindruckt, hat sich Siena den mittelalterlichen Charakter der italienischen Gotik erhalten. Besichtigt wurde der Dom. Er gilt heute als eines der bedeutendsten Beispiele der gotischen Architektur in Italien. Ebenso wurde dem Palazzo Pubblico (Rathaus) wurde besondere Aufmerksamkeit gewidmet.

In den Steinbrüchen Michelangelos

Auch in den weltweit einzigen Marmor-Steinbruch unter Tage fuhren die Gäste aus Münster ein. Carrara-Marmor ist einer der bekanntesten Marmore weltweit. Aus den Steinbrüchen der Berge Carraras haben Michelangelo, Gian Lorenzo, Luigi Bernini und Canova und weitere bekannte Bildhauere ihre Marmorblöcke bezogen. Carrara-Marmor wurde u. a. im Dom von Florenz, im Campanile von Pisa, im Petersdom zu Rom und im ehemaligen World Trade Center verbaut. Neben seiner Verwendung für Bildhauerarbeiten und Denkmäler wird Carrara-Marmor heute vor allem als Boden- und Treppenbeläge sowie Fensterbänke im Innenausbau sowie als Natursteinfliesen in Bädern verwendet.

Das Wahrzeichen von Pisa, der „Schiefe Turm“, war für die Studenten des Berufsbildungszentrums der Handwerkskammer Münster ein begehrtes Objekt, um Freihandzeichen zu üben. Und so hängen der Campanile und der Dom von Florenz heute als sehenswerte Bilder in den Münsteraner Schulungsräumen. Pisa empfanden die Teilnehmer der Exkursion als eine Stadt in der Toskana, die recht ursprünglich und echt geblieben ist. Man fühlte sich wohl in den verwinkelten Gassen und war begeistert von den im typischen Pisaner Gelb gestrichenen Häusern, die den ehemaligen Reichtum der Stadt erahnen ließen.

Neben dem strammen Besichtigungsprogramm blieb während der Reise aber auch genügend Zeit, die italienische Küche zu genießen, gemütliche Bars zu besuchen und mit den Dozenten in lockerer Atmosphäre zu diskutieren.

Elmar Bamfaste

Bildergalerie Studienfahrt Toskana 2010

Akademie Bauhandwerk: Studienfahrt 2010/10 Akademie Bauhandwerk: Studienfahrt 2010/11 Akademie Bauhandwerk: Studienfahrt 2010/12

Bildergalerie Wintersemster 2009/2010

Baustellenexkursion Breul Exkursion Köln Freihandzeichnen

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